Von der Schule ins Leben entlassen
Der Kreis ist geschlossen: Mit einem Gottesdienst werden die neuen Fünftklässler am Söderblom-Gymnasium empfangen, am Freitag feierten 172 das bestandene Reifezeugnis und damit ihren Abschied von der Schule mit einem stimmungsvollen Abitur-Gottesdienst in der proppevollen Thomaskirche. Im Gotteshaus war nicht nur der sprichwörtliche letzte Platz besetzt, eine ganze Reihe der Gäste – Eltern, Verwandte, Bekannte und Freunde sowie Lehrer – verfolgten die gut zweistündige Feier stehend.
In ihrer Predigt ging Schulleiterin Christiane Seibel auf die von den Abiturienten selbst entworfene Zeichnung auf dem Programm ein, das unter dem Motto „Neue Wege gehen“ stand. Darauf ist eine Gestalt auf einen gerade gezeichneten Weg zu sehen. Verschiedenen Symbole steigen in Gedankenwölkchen aus ihrem Kopf: genug zu essen, ein Dach über den Kopf, ein finanzielles Auskommen, Urlaub und Reisen, Musik und Frieden, Liebe und Ehe. Wünsche und Träume, die Menschen überall auf der Welt hegen.
Diese Träume dürften aber nicht überdimensional werden, unterstrich die Schulleiterin. Wie ein roter Faden ziehe sich eine Weisung Gottes durch die Texte der Bibel, sagte Christiane Seibel und bezog sich auf die Worte Jesajas „Brich den Hungrigen dein Brot ...“, was nichts anderes bedeute, als auf den Mitmenschen zu schauen und abgeben, damit alle haben. „Die Bibel mahnt alle, dass wir Menschen dafür sorgen sollen, dass alle Menschen so viel davon haben, dass sie ein menschenwürdiges Leben führen können.“
„Was Sie sich vom Leben erhoffen, ist gut und richtig. Sie sollten aber bedenken, dass Ihre Entscheidungen nicht nur für Sie selbst, sondern auch für anderen Menschen Folgen haben werden“, betonte Seibel.
Wenn die Schullaufbahn zu einem Teil der eigenen Geschichte wird, ist es auch an der Zeit, kurz einen launigen Rückblick zu halten. Lisa Janowitz erinnerte an die Anfänge in der Stufe elf – wie ein bunter Haufen aus fünf völlig verschiedenen Klassenverbänden und vielen Seiteneinsteigern mit Hilfe verschiedener Events einen richtigen Zusammenhalt entdeckte. Sie blickte auf Stufenfeten, Laienspiel und die Abifeten-Saison mit dem krönenen farbenfrohen Umzug unter dem Motto „We gonnABI Rockstars“ zurück.
Ein Stufenleiter als persönlicher Brückenbauer
Jonathan-Douglas Sannwaldt hielt eine bemerkenswerte Laudatio auf Stufenleiter Dieter Kröger. Der Begriff Stufenleiter versprühe Nüchternheit, Sachlichkeit und obendrein noch eine ordentliche Portion Beamtentum und werde Krögers Berufung niemals gerecht. Dieter Kröger sei vielmehr „unser persönlicher Brückenbauer“ gewesen, der interkulturelle und zwischenmenschliche Brücken errichtet habe und sie mit Verantwortung, Toleranz, Einfühlungsvermögen und Humor gepflegt habe, lobte Sannwaldt. Solche Ruhe, Vertrauenswürdigkeit und weise Kompetenz zeichneten Kröger aus.
Von seinen Mitschülern wünschte er sich, dass sie Gefallen an der „Erotik des Denkens“ finden und sich von den grundlegenden Pfeilern des Begriffs „Bildung“ inspirieren lassen: Bildung solle die Kräfte der Phantasie, der Liebe, des seelischen Erlebens sowie des moralischen Wertens wecken.
Dieter Kröger selbst dankte den Schülern für das „wirklich angenehme Miteinander in den vergangenen drei Jahren“. Welches schulische Potential in der Stufe steckt, verdeutlicht die Bilanz des Jahrgangs. 51 Abiturienten haben eine Durchschnittsnote mit einer 1 vor dem Komma. „Ich hoffe, dass Ihr mit dem Abitur das notwendige Rüstzeug für ein erfolgreiches Leben im Gepäck habt und jetzt neue Wege gehen könnt“, sagte Kröger – und meinte damit nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch die sozialen und mitmenschlichen Werte, die „für ein glückliches Leben genauso wichtig sind“.
Das Lernen sei ja noch nicht zu Ende, betonte er und zitierte Albert Einstein: „Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern der lebenslange Versuch, sie zu erwerben.“
Anerkennung für besondere Leistungen
„Wir haben eine bemerkenswerte Stufe“, lobte Schulleiterin Christiane Seibel die diesjährigen 172 Abiturienten. Entsprechend groß war die Anzahl der Schüler, die während des Abitur-Gottesdienstes geehrt wurden.
Von der Schule ausgezeichnet wurden Christian Fischer für hervorragende Leistungen und Sylvan Wagner für besondere Leistungen im sprachlichen Bereich. Beide haben die Durchschnittsnote 1,1.
Im Namen des Vereins der Freunde, Förderer und Ehemaligen zeichnete Birgit Januschewski vom Vorstand Nils Remberg für das beste Abiturzeugnis (Durchschnittsnote 1,0), Jonathan-Douglas Sannwaldt für das beste Zeugnis der Realschul-Absolventen (Durchschnittsnote 1,3) sowie Andy Buschmann und Bettina Sudermann für das beste Zeugnis der Hauptschulabsolventen (Durchschnittsnote 1,7) aus.
Für hervorragende Leistungen im Fach Physik bekam Christian Penner von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft einen Buchpreis und die Urkunde für die Mitgliedschaft. Zudem erhielten Henrich Klenke, Marcel Lötkemann, Marena Pützschler und Denise Stockmann Urkunden für die Mitgliedschaft (ein Jahr) in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.
Die Deutsche Mathematiker Vereinigung zeichnete Dennis Dyck für herausragende Abiturleistungen im Fach Mathematik (Durchschnittsnote 1,1) aus.
Für ihr jahrelanges Engagement in der Schülervertretung wurden Mara Wunderlich, Roman Egen, Merle Döpke, Rebekka Wieser, Marius Berner und Dennis Gusko geehrt.
Die Eine-Welt-Gruppe zeichnete Karolin Tiemann, Marie-Luise Fischer, Marie Möhle, Denise Grefe, Larissa Gerdom, Lisa Janowitz, Dorothea Boensmann und Paula Gauselmann aus.
Für hervorragende Leistungen in der Leichtathletikmannschaft wurden Jessica Volkmann, Dorothea Boensmann und Nils Terberger geehrt.
(C) Neue Westfälische vom 4. Juli 2011