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Vom Neandertal zur Facebookgemeinde

Created by Karsten Schulz am in Kategorie: Gesellschaftswissenschaften

„Wer kennt Facebook und hat dort einen Account?“ Reichlich Hände streckten sich in die Höhe nach dieser Frage von Thorsten Isning, die er ans Publikum in der Aula des Söderblom-Gymnasiums richtete. Mehr als 130 Interessierte aus allen Gruppen der Gesellschaft waren der Einladung des Stadtmarketingvereins zur Jahresauftaktveranstaltung „Espelkamp kommt ins Gespräch“ gefolgt.

So eröffnete der „Social Media“-Experte aus Paderborn seinen Vortrag. In Deutschland ist inzwischen jeder Vierte bei Facebook registriert, weltweit gehören dieser größten Internet- „Community“ inzwischen 870 Millionen Menschen an. All das hörte das erstaunte Publikum Donnerstagabend. Niemand komme heutzutage an dieser Entwicklung vorbei, vor allem auch die Unternehmen nicht. Alle Systeme würden sich immer mehr vernetzen, so der Experte. Jede Information, die über das Netz gestreut werde habe ihre Empfänger. Dies sei bei allen Werbeaussagen immer zu berücksichtigen. Eins gab der Fachmann den Marketingexperten jedoch mit auf den Weg: „Das, was Sie versprechen, das müssen Sie auch einhalten. Denn alles ist nachprüfbar und nachzuhalten.“ Die größte wachsende Zielgruppe der Internet- und vor allem auch Facebook-Nutzer seien die „Frauen mit 55 plus“. Sehr attraktiv für die Werbung sei die Geschwindigkeit, mit der eine Neuerung ankommt. Außerdem gebe es technisch und inhaltlich nur wenig Hürden und die Infrastruktur sei – zumindest in Deutschland – vorhanden.

Isning nahm jedoch kein Blatt vor den Mund. Er stellte anschaulich dar, dass es auch sehr viele Risiken gebe. Diese könnten in drei Kategorien zusammengefasst werden: Kontrollverlust, zu viel Transparenz und überstürztes Handeln. Für Isning, der privat auch als Stadionsprecher agiert – gibt es da ein grundsätzliches Verhaltensmuster: „Sagen Sie auf Facebook oder im Internet allgemein nichts, was sie nicht auch in einem vollbesetzten Bus hätten sagen wollen. Machen Sie auch keine Aussagen nach fünf getrunkenen Bieren.“ Und er wird noch deutlicher: „Facebook zu benutzen ist gut, es aber genauso nicht zu tun, ist auch gut.“ Immer wieder sollten Kontrollmechanismen eingebaut werden. Denn: „Privates ist privat und sollte es auch bleiben.“

Vor dem Referat Isnings hatte Stadtmarketingvereins-Präsidentin Anneliese Meyer einen Streifzug durch die Tausende von Jahren alte Kommunikationsgeschichte des Menschen gemacht. Sie fing beim Neandertaler an und hörte schließlich bei der Einführung des Internets und der jetzigen neueren Entwicklung mit „Social Media“ auf. Nach ihr ergriff Unternehmerin Margrit Harting das Wort. Im Betrieb werde versucht „Social Media“ mit „Social Economy“ zusammenzubringen. Sie und ihr Mann seien nunmehr 67 Jahre in Espelkamp und „fester Bestandteil der Stadt und ihr zuverlässiger Partner“. Viele tappten in der Frage der neuen Entwicklungen mit Facebook & Co noch im Dunkeln. Daraus entwickele sich häufig Abneigung. Dennoch müsse man sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

© 2012 Neue Westfälische, 18. Februar 2012