Jazzclub-Atmosphäre in der Aula
Swingende Jazz-Evergreens, fetzige Rock-Klassiker, bekannte Filmmelodien und bezaubernde Balladen – das große Sommerkonzert der Big Band des Söderblom-Gymnasiums und der Swing-Mäuse bot fast zweieinhalb Stunden jazzige und rockige Blasmusik vom Feinsten.
Die Aula des Gymnasiums bot ein ungewohntes Bild. Nicht in langen Stuhlreihen saß das Publikum, sondern in kleinen Gruppen an zahlreichen Tischen. In den schmalen Gängen dazwischen wieselten Schüler neunten und zehnten Jahrgangs mit Tabletts herum und versorgten die Zuhörer mit Getränken. Ein Stück weit lockere (Jazz-) Club-Atmosphäre, in der Musik und Kommunikation so vortrefflich gedeiht.
Mit der war es dann aber vorbei, als die 22-köpfige swingende „Mäusebande“ in ihren orangefarbenen T-Shirts zunächst die Bühne und dann die Herzen der Zuschauer eroberten.
Aufgeregt und sehr nervös seien sie gewesen, berichtete Christoph Heuer. Davon war auf der Bühne nichts mehr zu spüren. Beschwingt und voller Elan musizierten sie vor großem Publikum, das die bezaubernden 45 Minuten – angereichert durch zahlreiche kleine Soli von Matthies Hesse und Camilla Schiegnitz (Trompete), Sabrina Wilkening und Jonathan Wüllner (Klarinette), Niklas Hartmann (Alt-Saxophon) – immer wieder mit lautstarkem Beifall bedachte und sich als Zugabe „Tequila“ verdiente.
Gar nicht abwarten konnten einige Musiker der Big Band ihren Auftritt und begleiteten nach der Pause die Gäste mit einer kleinen Jam-Session wieder zurück auf ihre Plätze. Big Band, das heißt mehr Leute, mehr Dampf, mehr Erfahrung und damit einfach mehr Dynamik und mehr Power.
Mit dem Jazz-Klassiker „Sweet Georgia Brown“ wurden 90 äußerst unterhaltsame und abwechslungsreiche Minuten eröffnet. Dem souligen, äußerst relaxten vom Orgelsound getragenen „Green Onions“ folgte das fulminante „25 or 6 to 4“ aus der frühen Phase der Jazz-Rock-Formation „Chicago“. Hier zeigte die Kapelle mit scharfen Bläsersätzen und einem verzerrten Gitarrensolo ihre rockige Seite. Dem Swing-Klassiker „Sing, Sing, Song“, bei dem einfach kein Fuß still stehen blieb, schoben sie die einschmeichelnde Ballade „I believe in you and me“ nach, um mit dem rasanten, getriebenen „Maniac“ fortzufahren.
Vor allem bei den flotten Songs überzeugten die junge Musiker mit purer Spielfreude „Die fetzigen Stücke sind die Lieblingsstücke der Schüler“, erzählte Christoph Heuer.
Nicht unerwähnt bleiben soll der Mann, der seit Jahrzehnten hinter und manchmal auch vor den jungen Musikern steht: Christoph Heuer. Der Leiter der beiden Ensembles sagte nur kurz die Stücke an, schob die Songs mit einigen Armbewegungen an, um dann schnell wieder im Off zu verschwinden.
„Der einzige Dirigent, der nur etwas sagt“, beschrieben die jungen Musiker ihren Chef. So gab es zum großen Finale als kleines Dankeschön nicht nur einen großen Blumenstrauß für Christoph Heuer, sondern auch einen weißen Dirigentenstab, der gleich für einige Sekunden zum Einsatz kam. Danach wurde sogleich wieder der Band die Bühne überlassen.
Zudem war dies das letzte Konzert der Besetzung 2010/2011. Die „Dreizehner“ wurden mit einem Ständchen und kleinen Präsenten formvollendet verabschiedet und machen damit Platz für die nachrückenden jungen Swing–Mäuse.
Neue Westfälische vom 22. Juni 2011