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Glück als Unterrichtsfach

Created by Klaus Frensing am in Kategorie: Abitur 2016

Feierstunde: 172 junge Menschen haben das Abitur am Söderblom-Gymnasium bestanden. Stimmungsvoller Entlassgottesdienst stand unter dem Motto "Es reicht".

Ausgezeichnet: Die geehrten Abiturientinnen und Abiturienten mit ihrer Stufenleiterin Petra Brauneck-Godwin.

Das war ihr Tag. Im großen Gemeindesaal der John-Gingerich-Mennonitengemeinde war die große Freude und Erleichterung zu spüren. Es ist geschafft. 172 Abiturientinnen und Abiturienten des Söderblom-Gymnasiums feierten zusammen mit Eltern, Verwandten, Freunden und Lehrern einen stimmungsvollen Entlassgottesdienst. Musikalisch gestaltet vom Stufenchor sowie Kantor Tobias Krügel am Flügel.

Der Dank von Schulleiter Ernst-Friedrich Brandt galt dann zuallererst auch der John-Gingerich-Gemeinde, die der Schule ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Knapp 700 Gäste verfolgten den Gottesdienst am Freitagabend. Da derzeit die Empore der Thomaskirche gesperrt ist, hätten hier maximal 490 Besucher Platz gefunden.

Die Vielfalt der Stufe und des Lebens in Espelkamp stellten die beiden Stufensprecher Ali Akus und Nelli Mjahel in ihrer gemeinsamen Rede mit Stufenleiterin Petra Brauneck-Godwin heraus, deren Eltern aus Afghanistan und Russland, aus der Türkei sowie aus Schlesien und aus Ostwestfalen stammen. In den drei Jahren Oberstufe habe sich jeder verändert und weiterentwickelt, viele neue Erfahrungen gesammelt und ganz viel miteinander und voneinander gelernt. "Das Schöne an dieser Vielfalt ist, dass der eine oder andere durch Gespräche und Diskussionen mit Mitschülern lernen durfte, uns Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten ließ und dadurch unseren Horizont erweiterte."

Dieser besondere Tag gab auch Anlass, in die Zukunft zu schauen und dafür wünschten sich die Drei die Einführung des Schulfaches Glück. "Es wird schon an 100 Schulen unterrichtet", klärte Petra Brauneck-Godwin die staunende Festgemeinde auf. Im Schulfach Glück gehe es um die Aspekte Seele und Körper, um Aktion und um die Gemeinschaft. Sie sollen jedem Schüler ermöglichen, Aufgaben zu meistern, Hürden mit Hilfe der anderen zu überspringen und auch im Misserfolg einen Gewinn zu sehen. "Es geht letztlich darum, Lebensfreude zu vermitteln und Lebenskompetenz zu entwickeln, um im Anschluss an das Testfeld Schule seinen Lebensweg aktiv und selbstverantwortlich zu gestalten." Wäre es nicht wunderbar, wenn jeder Schüler nach einem Schultag sagen könnte, "heute habe ich wieder ein bisschen Glück erlernt und bin zufriedener als gestern".

Ansätze ähnlicher Inhalte und Methoden seien bereits zu erkennen, beim Laienspiel-Kurs etwa, der wieder ein großartiges Projekt auf die Beine gestellt habe oder in den unterschiedlichen Religionskursen. Zudem habe die Stufe eine Anerkennungskultur entwickelt, bei der nicht nur Leistung, sondern vor allem auch der Charakter, die Stärke und die Einzigartigkeit gezählt habe.

"Lasset uns mutig und selbstbewusst den Weg in die Zukunft gehen, an uns selber glauben und auf Gott vertrauen.", forderten sie ihre Mitschülern auf. "Jeder von uns reicht! Denn wir sind reich, reich beschenkte Individuen und es öffnet sich uns eine Welt der Möglichkeiten und Abenteuer." Das Thema des Gottesdienstes "Es reicht" hatte auch Schulleiter Ernst-Friedrich Brandt in seiner Festpredigt aufgegriffen und dabei mit Hilfe von kurzen Anspielen drei Aspekte zu der Aussage heraus gestellt. "Mir reicht?s!", "Reichen meine Möglichkeiten?" und "Gottes Güte reicht".

"Unser Blick richtet sich zu oft auf unsere Grenzen und Unzulänglichkeiten, auf unseren Mangel. Dankbar sein für das, was man hat, und dann das geben, was man kann - das ist gelebter Glaube", unterstrich er und forderte einen Perspektivwechsel weg vom Gemeckere, weg vom verzagten Blick auf die wenigen eigenen Möglichkeiten.

"Es ist nie umsonst, wenn wir vielleicht nur wenige Ressourcen an materiellen Dingen oder an Zeit für andere einsetzen könnten. Denn jeder Tropfen auf den heißen Stein kann der Anfang eines Regens sein. Den einen Tropfen dürfen wir beisteuern und dann darauf vertrauen, dass Gott es reichlich regnen lässt. Wir brauchen einen Perspektivwechsel, weg von uns und unseren Grenzen, hin zu Gott und seinen ungeahnten Möglichkeiten", betonte Brandt. So ein Perspektivwechsel führe zu der am Ende wunderbaren Erkenntnis: Es reicht!

Neue Westfälische vom 4. Juni 2016