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Endspurt für „Romeo und Julia“

Created by Ralf Kapries am in Kategorie: Laienspiel

Das weltweit bekannteste Liebesdrama, „Romeo und Julia“ von William Shakespeare, beschäftigt zur Zeit die Laienspieler des Söderblom-Gymnasiums äußerst intensiv. Sie wollen das Stück als Rockoper auf die Bühne des Neuen Theaters Espelkamp bringen. Die Premiere und damit die Uraufführung der Fassung von Giogio Siantis ist bereits am 31. Januar.

Da ist was los auf der Bühne: Wenn die jugendlichen Heißsporne mit dem Degen aufeinander los gehen, sieht das erstaunlich realistisch aus. Die beiden Fechter sind Emil Schiegnitz (l.) als Mercutio und Maximilian Mohnfeld als Tybalt.

Endlich raus aus der Probenbühne, der Aula des Gymnasiums. Der Umzug in das „richtige“ Theater mit seiner Bühne, auf der nun auch die Kulissen stehen, macht allen Beteiligten sichtlich Freude.

Unter der Leitung vom Lukas Riechmann haben Tim Steinweg, Anneke Horstmann, Dominic Kostrzewa und Niklas Ortmann einen Bühnenhintergrund gebaut, der einer Mauer aus Feldsteinen erstaunlich ähnelt. Er enthält drei Zugänge, der mittlere etwas erhöht und mit Stufen davor, sowie mit christlichen Symbolen verbrämt. „Hingucker“ ist ein Brunnen, aus dem richtiges Wasser plätschern soll. Obwohl er schwer und solide aussieht, ist er fahrbar und kommt an mehreren Stellen der Bühne zum Einsatz.

Etwa 70 Mitglieder des Laienspielkurses und einige Ehemalige haben mitgeholfen, die gewaltige Produktion auf die Beine zu stellen, denn die Schule feiert ihr 60-jähriges Bestehen und zu Jubiläen kommt traditionsgemäß Shakespeare auf die Bühne. Lang ist die Rollenliste des englischen Meisters und das ist gut so, denn gleich zwei Klassen sollen in diesem Jahr zu ihrem Recht kommen.

Durch eine Schulreform laufen in diesem Jahr die 12. und die 13. Klasse gemeinsam in die Zielgerade der Allgemeinen Hochschulreife ein. Deshalb seien nur kurz die Hauptrollen benannt: Die Paarung Romeo und Julia teilen sich Katharina Borgmann und Moritz Hoffmeyer, sowie Mirjam Sophie Kleimann und Pascal Matuszczak, die in der vom Autor besuchten Durchlaufprobe zu sehen waren. Marcel Schling spielt den Benvolio, Emil Schiegnitz den Mercutio, Maximilian Mohnfeld den Tybalt, Laureen Wollter die Amme und Jan-Frederic Borgmann den Bruder Lorenzo.

Der Staub der Renaissance ist weg. Dafür sorgen die anspruchsvolle und abwechslungsreiche Musik Siantis, die ideenreiche Inszenierung, die mit einigen typischen Bärbel-Brandt-Gags aufwartet, aber auch die Abiturienten selbst. In der ersten Szene treffen sie sich wie zufällig auf der Bühne, legen ihre Kostümteile an und präsentieren sich in ihrer neuen Ausstattung erst einmal dem Publikum. Schnell werden auch die Fronten klar. Damit es keine Verwechslungen gibt, wer zu welcher der beiden Familien gehört, wird den Zuschauern die Sache erleichtert: Die Capulets tragen offenbar gerne Rotes, die Montagues eher Blaues an ihrer Kleidung. Die einfachen Bürgersleut’ sind farblich weniger fest orientiert.

Annemarie Zeller, Jessica Herrmann, Larissa Schmidt, Lara Klemme, Julia Rudolph, Christin von der Ahe, Maya Behnke, Julia Oberndorfer und Charlotte Siller haben prachtvolle Kostüme geschaffen, die sich zwar an der Renaissance orientieren, aber eher pars pro toto eingesetzt werden: Ein oder zwei Teile müssen genügen, um das restlich Outfit anzudeuten.

So wurde zum Beispiel bei den Herren auf die unbequemen und in Theaterkreisen als „Transportklo“ verschrieenen Pumphosen verzichtet, nicht jedoch auf Degen, mit denen die jugendlichen Heißsporne –atürlich nach entsprechendem Training – erschreckend realistisch wirkende Schlachtszenen liefern.

Die Proben laufen in spürbarer Wohlfühlatmosphäre ab. Schon im September hat die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler begonnen. Im Bemühen um die gemeinsame Sache ist ein Team entstanden, in dem sich jeder für den anderen einsetzt. So herrscht ein bemerkenswert guter Umgangston und ein freundschaftliches Miteinander. Das gilt auch für die Musiker, die für einen satten Live-Sound sorgen.

Aus dem Orchestergraben erschallen das Klavier mit Angelika Penner, die Trompeten Henning Lübkings und Frederic Meyers, das Altsaxophon Daniel Regers, das Tenorsaxophon Sven Dittmanns, die Klarinetten Tanja Dittmanns und Romina Blases, die Geige Laura Klingels, das Keyboard mit Katrin Braun, Leonard Berner spielt den Bass, Marcel Barlach die E-Gitarre, Felix F. Göring das Schlagzeug und Phillip Wiebe Percussion. „Zu den langen Proben gesellen sich noch lange Wartezeiten im Graben, aber die Bandmitglieder sind sehr geduldig“, lobt der musikalische Leiter Henrik Langelahn.

© 2013 Neue Westfälische
Samstag 26. Januar 2013