Ein Jahr in Frankreich mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Die ehemalige Schülerin Anna Vollert berichtet von ihren Erfahrungen im Rahmen ihres Freiwilligendienstes in Frankreich.
Hallo zusammen,
mein Name ist Anna Vollert und ich habe im Sommer mein Abitur hier am Söderblom-Gymnasium gemacht. Doch was nun? Diese Frage habe ich mir, wie viele andere Abiturient*innen auch gestellt und mich deshalb über Freiwilligendienste im Ausland informiert. Und schnell habe ich auch was gefunden und es stand für mich fest: Ich möchte einen Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste machen. Das ist eine Organisation, die vor fast 60 Jahren im Umfeld der evangelischen Kirche gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat „die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in die Gesellschaft zu tragen und dabei international sichtbare Zeichen zu setzen, damit aus Worten sichtbare Taten werden.“
Konkret bedeutet es, das mit ASF ca. 110 deutsche Freiwillige für ein Jahr in verschiedene Länder reisen, die vom Nationalsozialismus und der Shoah betroffen waren (z.B. Israel, Norwegen, die USA, Polen oder die Niederlande).
Ich habe mich dafür entschieden, weil ich den Hass, die Hetze und die Ausgrenzung auf unserer Welt furchtbar finde und ich mich für Frieden, Verständigung und Europa einsetzen will. Nach vielen online Seminaren und erfolgreicher Absolvierung des Auswahlverfahrens stand im März 2025 dann fest, für mich geht es zusammen mit 16 anderen Jugendlichen nach Frankreich.
Meine Stelle ist im beschaulichen und etwas abgelegenen Izieu. Dort gibt es eine Gedenkstätte für 44 jüdische Kinder und ihre Betreuer, die während des 2. Weltkrieges hier lebten und am 6. April 1944 verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurden, wo sie dann in den Gaskammern ermordet wurden. Da das Kinderheim ein Durchgangsort vor einem richtigen Versteck war, haben durch Izieu auch ca. 60 Kinder überlebt. An diesem Ort der Tragik aber auch Rettung arbeite ich nun seit September.
Die Arbeit war zunächst etwas eintönig, da ich mich erstmal einlesen musste -jetzt gefällt es mir umso besser. Ich arbeite am Empfang, mache Führungen auf Deutsch und Französisch und helfe im Recherchezentrum sowie der Museumsbibliothek. Besonders cool sind auch die Besucher, die hier so vorbeischauen – von Schüler*innen bis zur UNO ist wirklich alles dabei.
Auch das Alleinleben fällt mir gar nicht so schwer. Unter der Woche koche ich viel und mache Zumba, Pilates und Fitness im Sportverein des Nachbarortes Bregnier-Cordon. Im Gegensatz zu der Zeit unter der Woche gilt am Wochenende: Ich bin selten allein. Die Umgebung hat sehr viel zu bieten, neben einer herrlichen Landschaft zum Wandern, ist es auch nach Genf und Lyon nicht besonders weit. Besonders schön ist, dass eine Mitfreiwillige in Lyon wohnt und wir gemeinsam Ausflüge unternehmen können.
So vergeht die Zeit erstaunlich schnell, und die ersten drei Monate meines Freiwilligendienstes sind schon um. Rückblickend kann ich jetzt schon sagen: Ich genieße das Leben in Frankreich in vollen Zügen und freue mich auf die kommenden Monate - auf neue Begegnungen, bereichernde Erfahrungen und sicher auch auf die eine oder andere unerwartete Situation.
Für weitere Informationen kann ich auch die Website von ASF sehr empfehlen.
Bei Fragen oder für einen Austausch bin ich immer gerne da: Kontaktiert mich gerne.