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Deutsche leben auf zu großem Fuß

Created by Klaus Frensing am in Kategorie: Naturwissenschaften

Espelkamp. Ist es gerecht, wenn 25 Prozent der Menschen 75 Prozent aller Reichtümer dieser Erde für sich beanspruchen? Ist es fair, wenn wir Europäer einen Lebensstil auf Kosten der ärmeren Länder führen? Wohl kaum.

Das Bildungsprojekt „Die Multivision“ , unterstützt vom BUND, dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie und Oxfam ist mit einer Multivisionsschau-Schau „Fair Future: der ökologische Fußabdruck“ an Schulen unterwegs, um über den verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen unserer Welt aufzuklären, zu zeigen, auf wessen Kosten die Plünderung unseren Planeten vor sich geht, sowie Denkanstöße und praktische Tipps zu geben, nachhaltiger zu wirtschaften.

Gestern hatten Moderator Holger Krohn und sein Kollege Juha Tiusanen in der Aula des Söderblom-Gymnasiums zu einem beeindruckenden Film mit anschließender Diskussion eingeladen. „Das Prinzip Nachhaltigkeit ist gerade für die junge Generation von großer Bedeutung, denn auf ihren Schultern lastet die Zukunft unseres Planeten“, betont Holger Krohn.

In 35 Minuten kann der Film die vielfältigen Probleme nur anreißen; die anschaulichen Bilder, unterlegt mit viel Information, machen deutlich, dass Umdenken und nachhaltiges Handeln dringend notwendig sind.

Bei einer Bio-Kapazität der Erde von 13,8 Milliarden Hektar beträgt der „gerechte“ ökologische Fußabdruck (siehe Kasten) eines jeden Menschen 1,9 Hektar. Mit einem ökologischen Fußabdruck von 5,1 ha (errechnet im Jahr 2010 vom Living Planet Report des WWF)) leben wir Deutschen im wahrsten Sinne auf zu großem Fuß. „Wenn alle sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten so leben würden, wie wir in Deutschland, dann bräuchten wir fast drei Erden“, sagt Holger Krohn. Gerade der ökologische Fußabdruck zeige eindrucksvoll, dass wirtschaftliches Wachstum sich an den Grenzen der ökologischen Leistungsfähigkeit der Erde orientieren muss.

„Um eine faire Zukunft für alle zu gewährleisten, müssen wir einfach unseren Lebensstil verändern“, fordert Krohn.

Während rund eine Milliarde Menschen Tag für Tag hungern, werde in Industrieländern für Abmagerungskuren mehr Geld ausgegeben als für die Welthungerhilfe. Klimawandel und ungerechte Handelsgesetze verstärkten das Ungleichgewicht auf der Erde noch.

„Um die Welt gerechter und nachhaltiger zu gestalten, müssen wird unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern“, fordert Krohn. „Durch unser eigenes Verhalten können wir viel bewirken“, ist er überzeugt, dass jeder durch sein persönliches Verhalten einiges dazu beitragen kann: Bei der Ernährung weniger Fleisch essen und mehr auf lokale Produkte setzen, beim Kleidungskauf darauf achten, dass die Klamotten unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltschonend hergestellt werden, weniger mit Auto oder Flugzeug und mehr mit Rad oder Bahn mobil sein, und beim Wohnen auf erneuerbare Materialien und Energie bauen.

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Mittwoch 25. Januar 2012