„Das hier war mehr als nur Schule“
Am 3. Juli fand die feierliche Entlassung des Abiturjahrgangs 2026 statt.
Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Thomaskirche verabschiedete das Söderblom-Gymnasium am Freitag, 3. Juli 2026, seinen Bündelungsjahrgang in einen neuen Lebensabschnitt. Unter dem Leitgedanken „46 Teile – erst zusammen komplett“ blickten die 46 Abiturientinnen und Abiturienten gemeinsam mit ihren Familien, Lehrkräften und Gästen auf drei prägende Jahre zurück. Der Bündelungsjahrgang ist dahingehend besonders, da Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Schulen und Bildungsgängen zusammenkommen und die gymnasiale Oberstufe gemeinsam durchlaufen. Patricia Leonhardt berichtet über die feierliche Entlassungsfeier der Abiturientinnen und Abiturienten.
Das Bild des Puzzles zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst und die anschließende Entlassfeier als Symbol für die Vielfalt des Jahrgangs und die Gemeinschaft, die aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten entstanden ist.
Musikalisch begleitet von Tobias Krügel sowie dem Chor CHORios zogen die Abiturientinnen und Abiturienten in die festlich geschmückte Thomaskirche ein. Auch die Abiturientinnen Nadiia Lebed und Evelyn Penner sorgten für einen besonderen musikalisch Moment, als sie mit Geige und Klavier das Stück „Experience“ darboten.
Im Mittelpunkt der Ansprache von Schulleiterin Frau Marie-Luise Schellong stand das Motto des Jahrgangs. Sie erinnerte daran, dass die Schülerinnen und Schüler vor drei Jahren aus unterschiedlichen Schulen zusammengekommen seien, zunächst als einzelne Puzzleteile, aus denen im Laufe der Oberstufe eine starke Gemeinschaft gewachsen sei. Gemeinschaft entstehe nicht dadurch, dass viele Menschen zufällig am selben Ort sind, sondern müsse wachsen und sich entwickeln. Besonders eindrücklich formulierte sie ihre Botschaft mit den Worten: „Gemeinschaft entsteht dort, wo Unterschiedlichkeit ihren Platz bekommt.“ Gleichzeitig machte sie deutlich, dass jeder Mensch mit seiner eigenen Geschichte angenommen werde und seinen Platz habe, eine Botschaft, die den gesamten Gottesdienst prägte.
Es folgte die Rede der Stufenleitungen Anna-Julia Lehmann und Jonas Knefelkamp, die das Puzzle-Motiv erneut aufgriffen. Sie erinnerten daran, wie unterschiedlich die Jugendlichen zu Beginn der Einführungsphase gewesen seien und wie daraus Schritt für Schritt ein gemeinsames Bild entstanden sei. Dabei betonten sie, dass Schule weit mehr sei als Unterricht und Noten. Freundschaften, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Erlebnisse, insbesondere die Stufenfahrt nach Göteborg und Kopenhagen, hätten den Jahrgang nachhaltig geprägt. Das Abiturzeugnis dokumentiere zwar schulische Leistungen, könne aber niemals all die Erfahrungen, Begegnungen und persönlichen Entwicklungen widerspiegeln, die die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren erlebt hätten. Mit Blick auf die Zukunft gaben sie den Absolventinnen und Absolventen mit auf den Weg, offen für Neues zu bleiben, Vielfalt als Stärke zu begreifen und mutig ihren eigenen Weg zu gehen.
Für die Schülerinnen und Schüler sprach anschließend Stufensprecherin Lilith Siekmann. Sie erinnerte an die vielen kleinen Momente des Schulalltags, die den Jahrgang zusammengeschweißt hätten. Besonders herzlich dankte sie den beiden Stufenleitungen, die für viele längst mehr gewesen seien als organisatorische Ansprechpartner. Gleichzeitig richtete sie ihren Dank an die Lehrkräfte sowie an die Familien, deren Unterstützung den Weg bis zum Abitur erst möglich gemacht habe. Sie fasste die gemeinsame Zeit mit bewegenden Worten zusammen: „Das hier war mehr als nur Schule. Das war ein zuhause auf Zeit.“ Auch wenn sich dieses Puzzle nun auflöse und die Wege auseinanderführten, bleibe die gemeinsame Zeit für immer bestehen.
Die Auszeichnung für das beste Abitur des Jahrgangs erhielt Nadiia Lebed, die mit der Note 1,0 abschloss. Nadiia Lebed war aufgrund des russischen Angriffskrieges aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet und meisterte dennoch innerhalb kurzer Zeit nicht nur die sprachlichen und persönlichen Herausforderungen eines Neuanfangs, sondern erzielte zugleich den bestmöglichen Abiturabschluss. Ihr außergewöhnlicher Bildungsweg und ihre herausragenden schulischen Leistungen wurden mit großem Applaus gewürdigt.
Auch in den naturwissenschaftlichen Fächern wurde Nadiia mehrfach ausgezeichnet. Für ihre hervorragenden Leistungen im Fach Physik erhielt sie einen Buchpreis sowie eine Urkunde für die Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Ebenfalls mit einer Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft wurden Lugain Issa und Markus Wiebe ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt Nadiia Lebed für ihre besonderen Leistungen im Fach Mathematik den Buchpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.
Es folgten Grußworte von Bürgermeister Dr. Henning Vieker, der Elternpflegschaftsvorsitzenden Frau Ivonne Wedhorn und des stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Espelkamp Herrn Florian Jürgens, bevor die Veranstaltung mit der Verabschiedung und dem gemeinsamen Auszug der Abiturientinnen und Abiturienten endete. „Es spielt keine Rolle, wie lange man an dieser Schule war, ob drei Jahre oder neun, ihr seid Söderblomer!“, resümierte Jürgens feierlich.
Mit dem Abiturjahrgang 2026 verabschiedet das Söderblom-Gymnasium nicht nur 46 erfolgreiche Abiturientinnen und Abiturienten, sondern einen besonderen Jahrgang, der eindrucksvoll gezeigt hat, dass Vielfalt, gegenseitige Wertschätzung und Zusammenhalt weit mehr sind als Worte. Aus 46 einzelnen Puzzleteilen ist in den vergangenen drei Jahren ein gemeinsames Bild entstanden, eines, das zwar nun auseinandergeht, dessen Erinnerung aber bleiben wird.