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Jugendgewalt im Mittelpunkt einer Lesung

Espelkamp (ko). Elisabeth Zöller ist Schriftstellerin und widmet sich in ihrer Literatur schwerpunktmäßig dem Thema »Jugendgewalt«

Das Söderblom-Gymnasium hatte die Autorin jetzt eingeladen, dieses Thema mit Schülern des Pädagogik-Kurses und weiteren Interessierten in der Aula der Bildungseinrichtung zu thematisieren - auch vor dem Hintergrund, dass die Laienspieler der Schule gerade erst das Theaterstück »Der Kick« aufgeführt haben, in dem auch das Thema Jugendgewalt behandelt wurde.

»Ob körperliche Attacke, oder verbale Gewalt, rechtsradikale Gewalt, Gewalt gegen sich selbst, wie zum Beispiel Essstörungen - Gewalt kann viele Gesichter haben«, sagte Elisabeth Zöller. Gewalt sei da, wenn einer »Nein!« sage und der andere trotzdem weiter mache. Soziale Spielregeln, Leistungskampf und Grenzen, die nicht bekannt sind, seien Gründe, warum Gewalt bei Kindern und Jugendlichen zunehme.

Schon in der Kindheit wollte die heute 65-Jährige Bücher schreiben, die sich mit der realen Welt beschäftigen. Seit 21 Jahren ist sie nun Schriftstellerin. 85 Werke hat sie bereits veröffentlicht.

Die Bandbreite ihrer Themen ist vielfältig, es gibt Spannendes und Unterhaltsames, Ernstes und Stilles, Witziges und Trauriges. Auch Themen, über die niemand gerne spricht, die aber Kinder beschäftigen, kommen in ihren Büchern vor: Wut, Angst, Gewalt, Trauer und Tod. Einen Namen hat sie sich vor allem mit ihrem Engagement zur Gewaltprävention gemacht. Seit Jahren schreibt sie altersübergreifend mit wechselnden Perspektiven Bücher zu diesem Thema. Sie sind geprägt von großer Ernsthaftigkeit, aber auch von Witz, um damit die Möglichkeit zur Distanz zu schaffen.

»Gewalt ist ein Thema, das uns alle angeht«, sagt Elisabeth Zöller. Immer wieder höre man in den Nachrichten von Schreckensmeldungen über Gewalttaten an Schulen. Die Meldungen über gewaltbereite Kinder und Jugendliche würden nicht abreißen. Selbst in Kindergärten seien Ausschreitungen verbaler oder körperlicher Art keine Seltenheit mehr.

Mit ihrem Konzept »Bücher gegen Gewalt« möchte Elisabeth Zöller den Einzelnen wieder stark machen, Verhaltensveränderungen bewirken. »Bücher bieten die Möglichkeit des Miterlebens und Mitgefühls an, die Möglichkeit, über Gewaltsituationen zu sprechen, Opfer werden aus der Isolation geholt.«

Das Opfersein und Tätersein versteht Elisabeth Zöller als Zustände, »aus die beide Seiten herauskommen können«. Zöllers Anliegen ist es, sich an ganze Klassen zu richten und keinen Einzelnen zu stigmatisieren.

Bei Kindern und Familien möchte sie über das Vorlesen und das Lesen das vertrauliche Gespräch fördern, in Schulen soll über Gewalt gesprochen werden, neue Verhaltensweisen sollen zudem über Rollenspiele erlernt werden.

 

© 2010 Espelkamper Zeitung, Samstag 13. Februar 2010