Von Michael Nichau
Wehdem (WB). Es riecht ein wenig nach Sauerfutter und an anderer Stelle ragt ein Gülle-Ansaugrohr aus dem Boden. In nicht ganz gewohnter Umgebung - auf der Biogasanlage in Wehdem - haben sich 32 Lehrerinnen und Lehrer, davon 23 aus dem Kreis Minden-Lübbecke, fortgebildet.
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Bei der Fortbildung wurde den Lehrern zunächst der Aufbau und die Funktion der Biogasanlage in Stemwede erläutert. »So entsteht Biogas durch Vergärung. Darunter versteht man den mikrobiologischen Abbau von organischen Stoffen unter Luftabschluss«, erklärte Reinhard Schlechte, der die 2006 gebaute Anlage in Zusammenarbeit mit Dieter Angelbeck betreibt.
Als »Futter« für die Biogasanlage dienen Gülle und Silomais. »Im Prinzip wäre alles zu verwenden, was grün ist«, erläuterte Guido Angelbeck den Pädagogen. Man habe jedoch inzwischen Erfahrungen mit der Gas-Erzeugung und wisse, welche nachwachsenden Rohstoffe am besten eingesetzt werden können.
Das Endprodukt sei das brennbare Biogas, ein Gemisch, das im wesentlichen aus Methan (50 bis 60 Prozent) besteht. Methan entspricht chemisch im Prinzip dem Erdgas und ist der Energieträger. Somit betrage der energetische Nutzen von einem Kubikmeter Biogas etwa sechs Kilowattstunden. Der durchschnittliche Heizwert eines Kubikmeters Biogas liege bei etwa 0,6 Litern Heizöl.
Reinhard Schlechte erläuterte das einfache Prinzip der Anlage: »Das Biogas wird in einem Motor verbrannt. Mit der dadurch entstandenen Energie wird ein Generator angetrieben, der den Strom erzeugt, der ins Netz eingespeist wird. Die anfallende Abwärme wird zum Beheizen des Schulzentrums in Wehdem genutzt.«
Mit von der Partie - sowohl bei der Besichtigung der Anlage, als auch im zweiten Teil der Fortbildung - war Kreisverbands-Vorsitzender Karl-Heinz Becker. Er wies auf das enorme Wachstum des Bioenergie-Anteils in der Landwirtschaft hin. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland bereits 16 Prozent des Stroms und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs durch Biomasse, Wind, Wasser und Sonne geleistet worden.
»Biomasse ist als klimaverträglicher und regional verfügbarer Energierohstoff im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien speicherfähig und dadurch rund um die Uhr und nach Bedarf verfügbar«, erklärte er. Biogas werde daher im Energiemix der Zukunft als effiziente und multifunktionale Lösung eine wichtige Rolle spielen.
»Biogas ist eine interessante Alternative in der Landwirtschaft«, unterstrich der Vorsitzende. Er machte allerdings deutlich, dass ein schädigender Wettbewerb innerhalb des grünen Berufszweiges um die Fläche vermieden werden müsse. »Auch in Zukunft hat für uns Bauern der Anbau von Lebensmitteln Priorität«, erklärte Becker.
© 2010 Espelkamper Zeitung, Freitag 26. Februar 2010