Baumpflanzungsprojekt in Tanzania

Seit vielen Jahren schon unterhält der Tansania-Partnerausschuss des Kirchenkreises Lübbecke - an dem sechs Gemeinden des Nordkreises und u.a. auch die Martinsgemeinde in Espelkamp beteiligt sind - eine Partnerschaft zu dem Kirchenkreis Bweranyange in der Karagwe-Diözese der Evangelisch-
Lutherischen Kirche Tansanias.

Der damalige Superintendent dieses Kirchenkreises, Pastor G. Chobya, hatte 1996 den Partnerschaftsausschuss und die Eine-Welt-Gruppe des Söderblom-Gymnasiums bei seinem Antrittsbesuch im Kirchenkreis Lübbecke gebeten, dieses Baumpflanzungsprojekt mit zu unterstützen. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das auch aus dem Erlös der Baumpflanzen sich selber mit tragen will. Es stellt somit ein Projekt der Hilfe zur Selbsthilfe dar, welches auch den ökologischen Aspekt der Bewahrung unserer Schöpfung mit einschließt.

Die Durchführung und Verwaltung (Management) geschieht durch den Kirchenkreis Bweranyange. Zu Beginn Pastor Chobya und heute nun sein Nachfolger Pastor Kanyiginya fungieren im Auftrage des Kirchenkreises als Rechnungsführer. Ihnen zur Seite steht ein Projektkomitee des Kirchenkreises, das für das ganze Projekt verantwortlich ist.

Baumschulen wurden angelegt und für jedes Baumschulprojekt drei Arbeiter zusammen mit einem Supervisor, der Sachkundiger der Forstwirtschaft sein musste, eingestellt. In den vier Baumschulen werden jährlich 400.000 Baumpflanzen (Sämlinge) zum Kauf an Institutionen, an Gemeinden und vor allem an Bauern angeboten, um mit diesem Projekt eine größtmögliche Breitenwirkung erzielen zu können, die insgesamt den ganzen Kirchenkreis umfasst. Durch den Verkauf sollten die Mitarbeiter und der Supervisor der 4 Baumschulen bezahlt werden können. Dazu bedurfte es aber zunächst einer Anschubfinanzierung, die die Kosten dieser Gehälter, ebenso wie alle weiteren Kosten für Saatgut etc. abdecken sollte. Das Ziel aber bleibt auch weiterhin, dass dieses Projekt sich letztendlich aus eigenen Mitteln selber trägt.

Der Kirchenkreis Bweranyange möchte mit diesem Projekt auch zum Umweltbewusstsein seiner Kirchenmitglieder und anderer beitragen. Denn flankierend zu den Baumschulprojekten werden Schulungsprogramme (für Pastoren, Evangelisten, Kirchenführer, Mitarbeiter in der Jugendarbeit, Vorsitzende von Frauengruppen, Regierungsbeamte in leitender Funktion und vor allem Schulen) angeboten. Diese Kursteilnehmer fungieren dann
wiederum als Multiplikatoren, so dass flächendeckend ein Großteil der Bevölkerung erreicht und von der Notwendigkeit der weiteren Anpflanzung von Bäumen überzeugt wird.

Wiederaufforstung war und ist weiterhin dringend geboten, denn Frauen und Kinder mussten nicht nur lange Wege gehen, um Brennholz sammeln zu können, sondern ebenso waren die Preise für Nutzholz (Möbel- und Baugewerbe) fast unerschwinglich nach oben geklettert. Darüber hinaus dient die Baumpflanzung in erster Linie ökologischen Zwecken, um einerseits den Boden zu binden, weitere Bodenerosionen entgegen zu wirken und um vor allem auch auf diese Weise eine Wasserspeicherung im Boden zu ermöglichen.

Herangewachsene Baum-Sprösslinge eröffnen neue Lebenschancen Die historischen Ursachen für die Abholzung liegen zwanzig Jahre zurück. 1994 hatte es in Ruanda einen schrecklichen Völkermord zwischen zwei verfeindeten Volksgruppen (Tutsis und Hutus) gegeben, dem innerhalb nur weniger Monate über 800.000 Menschen zum Opfer fielen. Viele sind vor diesen unmenschlichen Taten ins Nachbarland Tansania geflohen. Allein der Kirchenkreis Bweranyange mit seinen 50.000 Einwohnern beherbergte rund 100.000 Flüchtlinge in dieser Notsituation. Dieser riesige Flüchtlingsstrom hatte aber auch eine große Abholzung zur Folge, so dass der damalige Superintendent des Kirchenkreises Bweranyange, Pastor G. Chobya die Initiative für dieses Wiederaufforstungsprojekt ergriff und aufgrund der langjährigen gemeinsamen Partnerschaft den hiesigen Partnerschaftsausschuss des Kirchenkreises Lübbecke sowie die Eine-Welt-Gruppe des Söderblom-Gymnasiums um ihre Mithilfe bei diesem Baumpflanzungsprojekt bat, der wir bis zum heutigen Tag gerne nachkommen.

Michael Wirtz, November 2015