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05.02.19

Moderner »Faust« ist einfach toll

Söderblomer Laienspieler führen Goethe-Klassiker in der Alten Gießerei auf. Stehende Ovationen bei der ausverkauften Premiere – das war der absolut verdiente Lohn für eine tolle Aufführung der Söderblomer Laienspieler.


In der Alten Gießerei hatten sie sich Goethes »Faust – Der Tragödie erster Teil« angenommen – und das mit Bravour. Unter der Regie und Gesamtleitung von Andreas Ferling und Oliver Brauns wurde bereits seit dem Sommer des vergangenen Jahres geprobt. Die Handlung wurde kurzerhand in die Neuzeit verlegt.
So wurde zum Beispiel wild in frivolen Outfits mit Masken auf der Walpurgisnacht zum Elektropunk-Hit der Neuen Deutschen Welle »Der Mussolini« getanzt. Faust spricht in eine Kamera und ist im Hintergrund auf zwei großen Bildschirmen zu sehen. Und die allgegenwärtigen Smartphones wurden natürlich auch in das Stück eingebaut.

Genau dieser Transport der Handlung in die Gegenwart ist dem Laienspielkurs außerordentlich gut gelungen. Die zahlreichen Szenenwechsel liegen ebenfalls reibungslos ab. Das Team war bestens eingespielt. Schnell wurden die Möbelstücke neu platziert und alle benötigten Gegenstände hingelegt.

Die Tragödie voller Liebe und Schmerz um den Gelehrten Faust (Alexander Gross), der sich auf einen Pakt mit Mephisto (Melinda Piewitt) einlässt und ihm seine Seele verkauft, um dafür sämtliche Wünsche erfüllt zu bekommen, berührt bis heute die Herzen der Zuschauer.

Die Begegnung mit dem jungen unschuldigen Gretchen (Vivien Habowez), in die sich Faust unsterblich verliebt, fehlt dabei natürlich auch nicht. Faust wünscht sich von Mephisto nichts sehnlicher, als mit Gretchen zusammen zu kommen. So nahm die Tragödie voller List, Lügen und Tod ihren Lauf.

Eindrucksvoll gelang es Alexander Gross, die emotionale Bandbreite von unsterblicher Verliebtheit bis zorniger Wut auf die Bühne zu bringen. Sehr überzeugend verkörperte er den Faust. Mit List und Lügen gab Melinda Piewitt den Mephisto und bestach ebenso wie Alexander Gross mit einer starken Bühnenpräsenz. Vivien Habowez stellte mit Leidenschaft und Zerbrechlichkeit das Gretchen dar. Sie füllte ihre Rolle überzeugend aus und verzückte das Publikum auch mit ihrem Gesang.
Ein besonderer Clou war, dass die jungen Darsteller die Distanz zum Publikum aufhoben. Die Schauspieler begaben sich für einige Szenen in den Zuschauerraum und sorgten so für ein hautnahes Theatererlebnis.

Im »Faust« endet schließlich alles in einer Tragödie. Gretchen wird von Faust schwanger, ertränkt ihr Kind und wird deshalb zum Tode verurteilt. Faust versucht verzweifelt und vergebens, seine Geliebte aus dem Gefängnis zu befreien und tötet zuvor im Streit Valentin, den Bruder von Gretchen.

Mit Konfetti und Polonaise feierte der Laienspielkurs nach dem letzten Vers die gelungene Premiere – und das völlig zurecht. Das Publikum erhob sich von den Stühlen und spendete kräftig Applaus für die tollen schauspielerischen Leistungen.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es am kommenden Sonntag, 10. Februar, um 18 Uhr eine Sonderaufführung in der Alten Gießerei.
Informationen zu allen noch folgenden Termine sowie zur Sondervorstellung und zum Kartenvorverkauf gibt es auf der Homepage der Laienspieler http://www.soederblom.de/laienspiel/faust-2019.html

Espelkamper Zeitung vom 5. Februar 2019