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08.01.18

Freie Bahn für die Linie 1

"Achtung an der Bahnsteigkante. Die Linie 1 fährt ein": Am Freitag, 26. Januar, steigt um 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums an der Kantstraße die Premiere des neuen Theaterprojekts des Espelkamper Söderblom-Gymnasiums unter der Leitung von Bärbel Brandt und Janina Stünkel. Wer mitfahren will, sollte sich beeilen. Noch gibt es "Fahrkarten" für die insgesamt sechs Vorstellungen des Musicals "Linie 1". Erhältlich sind die Tickets in den bekannten Vorverkaufsstellen, der Buchhandlung Lienstädt & Schürmann in Espelkamp, der Bücherstube Lübbecke und in der Zentralbücherei des Gymnasiums.


Am Samstag probte der Theaterkurs erstmals vor dem Bühnenbild. Die Kulisse war während der Weihnachtsferien aufgebaut worden. Von morgens acht Uhr bis gut 18 Uhr waren die Schauspielcrew, die Band und das Technikteam gefordert. In den kommenden Tagen wird das Tempo noch angezogen - auf zwei Proben pro Woche und dann zum Schluss jeden Nachmittag. Bis zur Premiere wird an Schauspielerei und Ausdruck gefeilt.

Am Samstag bekamen die Theaterleute Besuch. Einige Sponsoren, darunter Henning Vieker und Andreas Schwarze von der Volksbank-Stiftung, Jens Kottmann (Lions Club Lübbecke-Espelkamp) sowie Klaus Hennemann und Dietmar Heßlau (Lions Club Rahden-Espelkamp), schauten vorbei, wurden durch die Kulissen geführt und erlebten eine Probe.

Janina Stünkel begrüßte die Besucher und dankte ihnen für die finanzielle Unterstützung, die es erst möglich gemacht habe, das Stück "Linie 1" professionell umzusetzen. Das Laienspiel habe seit vielen Jahren am Söderblom-Gymnasium einen ganz besonderen Stellenwert, betonte Janina Stünkel.

Theaterspiel könne wie kein anderes Unterrichtsfach viele Bereiche vereinigen. "Es dient der ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen, indem es zugleich ihre rationalen wie emotionalen, intellektuellen wie kreativen, physischen wie musikalischen, individuellen wie sozialen Fähigkeiten fördert", unterstrich sie. Und es fordere von den Schülern Bereitschaft zur Teamarbeit, Einsatzbereitschaft und vor allem jede Menge Durchhaltevermögen.

Darüber erfahren die Schüler, dass Kultur ganz verschiedene Ausdrucksformen verbinde wie das Spiel auf der Bühne, die Musik, den Tanz, die Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen, die technische Gestaltung mit Licht und Ton sowie die Gestaltung eines Plakats und eines Programmhefts.

Das alles sei ohne Experten von außen, in erster Linie ehemalige Schüler, nicht machbar. So fungieren Lukas Riechmann und Tim Steinweg schon seit vielen Jahren als Mentoren im Bereich Licht- und Tontechnik und unterstützen die Schüler beim Bau des Bühnenbildes.

Hendrik Langelahn ist für den musikalischen Part verantwortlich, Friseurmeisterin und Maskenbildnerin Michaela Mech für die Schminke, die Team-, Sprech- und Stimmerzieherin Anuschka Buchholz für den Sprachworkshop und Choreografin Anna Nasirov für den tänzerischen Bereich.

Das Musical mit dem Text von Volker Ludwig und der Musik von Birger Heymann wurde 1986 im bekannten Berliner "Grips-Theater" uraufgeführt und führt mitten hinein in den Großstadtdschungel Berlins mit all seinen Typen und Schicksalen. Die Zuschauer des Musicals "Linie 1" begleiten eine junge Frau vom Land auf ihrer Fahrt mit der U-Bahn-Linie 1, dem "Orientexpress" vom Bahnhof Zoo bis nach Kreuzberg.

Auch wenn schrill-bunte Jogginganzüge und Vokuhila-Frisuren längst nicht mehr up-to-date sind - das Stück hat nichts von seiner Aktualität verloren. "Rechtes Gedankengut, Fremdenfeindlichkeit, Egoismus, Ignoranz sind nach wie vor Ausprägungen unserer Gesellschaft", sagt Janina Stünkel. Und so beschreibt Volker Ludwig seine "Linie 1": "Es ist ein Überlebensstück über kleine Leute. Egal wie schlecht es läuft: man darf niemals aufgeben."

© 2018 Neue Westfälische, Montag 08. Januar 2018


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