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13.12.17

40 Jahre im Dienst: Peter Tiemanns Herz schlägt für die "Freiarbeit".

"So stelle ich mir guten Unterricht vor: Eine Einrichtung zum Selberlernen, kein Blumenladen, in dem man Zehnjährigen nur Usambaraveilchen verordnet, weil man meint, sie seien für die Orchideen noch zu dumm." So hat Peter Tiemann, seit nunmehr 40 Jahren als Pädagoge tätig, einmal seine Vorstellung formuliert von dem, was Schule sein sollte.


Ein Ort, an dem Kinder sich selbst entfalten, ihre Persönlichkeit entwickeln, ihre Neugier als Antrieb nutzen und auf diese Weise sich selbst und die Welt um sie herum erforschen und begreifen lernen. Und was ein Lehrer sein sollte: ein Begleiter, ein Motivator, ein Unterstützer, wo Hilfe nötig ist, ein Tröster, wenn es sein muss, ein Schlichter, aber keiner, der bevormundet oder Unterricht als starre Verordnung feststehender Inhalte betreibt. "Das Kind steht im Mittelpunkt, mit seinen individuellen Talenten, Wünschen, Fähigkeiten, mit seiner "Weltneugier".

Peter Tiemann hatte an der Universität Münster zunächst Diplompädagogik studiert, um dann zu einem Lehramtsstudium mit den Fächern Pädagogik und Deutsch zu wechseln. Nach dem zweijährigen Referendariat, ebenfalls in Münster, unterrichtete er ab August 1979 am Söderblom-Gymnasium in Espelkamp. Zwischendurch hat er auch immer wieder Unterricht an der benachbarten Birger-Forell-Realschule gegeben und an der pädagogischen Konzeption der Birger-Forell-Sekundarschule federführend mitgewirkt.

Neben seiner Lehrtätigkeit verfasste er seit Ende der achtziger Jahre zahlreiche Schriften zur Pädagogik und promovierte im Jahr 1991 an der Universität Bielefeld im Fachbereich Erziehungswissenschaft. Seit 1994 ist er Erprobungsstufenleiter und damit zuständig für die Jahrgangsstufen 5 und 6.

In dieser Funktion hat Peter Tiemann pädagogische Konzeptionen initiiert, die das Profil des Söderblom-Gymnasiums nachhaltig geprägt haben beziehungsweise nach wie vor bestimmen: der sogenannte "MuKu"-Unterricht und die Freiarbeit - besonders für dieses Konzept schlägt sein Herz.

Angelehnt an die Montessori-Pädagogik soll "Freiarbeit" die Kinder zum Selbstlernen, Entdecken und Erforschen in ganz unterschiedlichen Bereichen motivieren. Unverzichtbar sei dabei ansprechendes Material auch und gerade "zum Anfassen", mit oder an dem die Kinder nach eigener Interessenlage arbeiten können.

"MuKu" steht für notenfreie Lernräume im musisch-kreativen Bereich und ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Stundenplans der fünften und sechsten Klassen.

Seine große Leidenschaft gehört jedoch dem Kindertheater, mit dem er seit fast vier Jahrzehnten junge Schüler die Lust am kreativen Schauspielern erleben lässt.

Zum 40. Dienstjubiläum wurde Peter Tiemann nun eine Urkunde überreicht, in der seine Verdienste um das Profil des Evangelischen Schulzentrums gewürdigt werden. In all den Jahren sei er nie müde geworden, seine pädagogischen Ansätze zum Wohle des Kindes zu verteidigen gegen die Zwänge, Erlasse und Verordnungen, die der Schule in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder versucht haben ihren Stempel aufzudrücken.

Wie vor 40 Jahren gilt sein Credo einer guten Schule heute erst recht: "eine Einrichtung zum Selberlernen", in der das Kind mit seiner je eigenen Persönlichkeit im Mittelpunkt steht.

© 2017 Neue Westfälische, Mittwoch 13. Dezember 2017


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